Bei jeder Form der Erregung, sei sie positiv oder negativ, startet der Körper eine Stressreaktion. Stresshormone und chemische Botenstoffe werden ausgeschüttet und sorgen dafür, dass der Organismus in eine optimale Leistungs- bereitschaft versetzt wird; vor allem werden -vereinfacht gesagt- nach diesem an sich sinnvollen, weil dem Überleben dienlichem, biologischen Konzept Cortisol und Adrenalin produziert. 

Bleibt bei einem andauernden Stresszustand die Unter- bindung weiterer Cortisolausschüttung durch einen bestimmten Regelkreis aus und wird eine Erhöhung bzw. ein bleibend hoher Cortisolspiegel erreicht, so hinterlässt das nachweisbare Spuren im Hirn. Synapsenzahl und -verbindungen verändern sich, die Informationsver- arbeitung wird gestört.

Milder Stress jedoch ist notwendig für korrekte Entwicklung des Organismus und fördert im frühem Lebensabschnitt das Immunsystem. Ein niedriges, natürliches Maß an Stress wird vom Organismus  kompensiert, vom dem einen Hund mehr, von dem anderen weniger. Man spricht hier von unterschiedlicher Stresstoleranz, zurückzuführen auf angeborene, aber auch (z.B. durch mangelnde Sozialisation) erworbene Faktoren. Hinzu kommt die Ausbildung eines Stressgedächtnisses.

Ein kontinuierlich hoher Stresspegel ist bedenklich, kann zu Krankheiten und Verhaltensänderungen führen. darunter fallen im Einzelnen:

Erkrankungen des Immunsystems, Erkrankungen des Fortpflanzungssystems, Herz-Kreislauf-Probleme, Magen-Darm-Trakt-Störungen, Unruhe, Herabsetzung der Reizschwelle, Lernunfähigkeit, Überreaktionen, Aggression

Stressauslöser sind unter anderem:

Krankheiten, Schmerz, Konflikte, Angst, mangelnde Sozialisation, Unterdrückung natürlicher Verhaltensweisen, Nichterfüllung primärer Bedürfnisse, Reizüberflutung oder Reizentzug, einschneidende Veränderungen im Umfeld, Überforderung geistiger/körperlicher Art, andauernde Erwartungsunsicherheit in unklaren Situationen, ungeeignete Ausbildungsmethoden

Stresssymptome nach Nagel/ v. Reinhardt sind:

Nervosität, Ruhelosigkeit, Überreaktion Beschwichtigungssignale, Koten und Urinieren zu unangebrachten Zeiten, Hyper-, Hyposexualität, übertriebene Körperpflege, Zerstörungswut, anhaltendes Winseln und Bellen,  Durchfall und Erbrechen,  Allergien,  Appetitlosigkeit,  Fresssucht, schlechtes Haarkleid,  Hautprobleme,  Hecheln, tropfende Nase, weite Pupillen, Schweißpfoten, Zittern, Schütteln nach einer Stresssituation, Spielverweigerung, Übersprungshandlungen, mangelnde Konzentration, Passivität

Anzeichen von Stress beim Hund sollten grundsätzlich ernst genommen werden und das Tier sollte nicht zusätzlich gefordert werden, damit sich keine Verhaltens- störungen oder körperlichen Schäden aus den Stresssituationen entwickeln können. Dem Hund sollte immer Gelegenheit gegeben werden, selbst Bewältigungs- strategien für eine anstrengende Lage zu entwickeln, um Selbstsicherheit zu erlangen.

Die Befriedigung elementarer hundlicher Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bewegung (Adrenalin wird über Muskeltätig- keit abgebaut), Sozialkontakt, Vermittlung von Sicherheit und klare Spielregeln von Seiten des Halters im Umgang mit dem Hund tragen dazu bei, ihm Stresszustände ertragbarer zu machen.

 

 

 

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